BOB SPENCE’S »BIFOCAL DISPLAY CONCEPT« VON 1982

Das »Bifocal Display« Konzeptvideo von Robert Spence und Mark Apperley (Imperial College) ist nicht nur deswegen erwähnenswert, weil es bereits 1982 das inzwischen Dank Apples Dock weitverbreitete Visualiserungs-Prinzip von Hauptfokus/ Detail und Peripheriärer Information darlegt, sondern ist insbesondere auch wegen der Darstellungstechniken (Paperbased Modelling) interessant.

 

Mehr Details, insbesondere auch zu weiteren Anwendungen des Prinzips  sind zu finden unter http://www.interaction-design.org/encyclopedia/bifocal_display.html

BIG NAVI IS WATCHING YOU…

»Theoretisch könnten Navigationssysteme viel mehr tun, als ihrem Besitzer den Weg zu weisen. Pkw-Hersteller arbeiten an einem lernfähigen Pfadfinder, der gleich noch den Spritverbrauch optimiert. Damit das klappt, müssen sich Autofahrer allerdings ausspähen lassen.

Wenn Andreas Winckler in seinen Dienstwagen steigt, weiß das Auto schon, wo es hingehen soll. Noch bevor der BMW-Entwickler eine Taste drückt, taucht auf dem Bildschirm des Navigationssystems bereits das Ziel seiner Fahrt auf. „Immer liegt der Rechner zwar noch nicht richtig. Aber immer öfter“, sagt Winckler. Die Trefferquote des Navigationsgerätes liege inzwischen bei knapp 80 Prozent. Wincklers unscheinbarer BMW 335i ist Teil des Forschungsprojekts Ilena (Intelligente Lernende Navigation). Der Münchner Autohersteller arbeitet an einem elektronischen Pfadfinder, der den Fahrer und die Umgebung mit jedem Meter Fahrt besser kennen lernt und damit auch immer präziser in die Zukunft blicken kann. „Wir wollen schon vor der Abfahrt wissen, welches Ziel der Fahrer ansteuern wird und welche Route er dafür wählt, selbst wenn das Navigationssystem gar nicht aktiviert ist“, fasst Winckler das Ansinnen der Entwickler zusammen.
Mit dieser Information könnten das Navi dann beispielsweise die verbrauchsgünstigste Route programmieren. „Wenn wir eine solche prädiktive Navigation mit den Bausteinen der Spritspartechnik Efficient Dynamics verbinden, sind Verbrauchseinsparungen von fünf bis zehn Prozent möglich“, sagt Winckler.
Um die wahrscheinlichste Route zu ermitteln, ziehen die Entwickler alle Register: Am Zündschlüssel, der Sitzposition oder an dem über Bluetooth eingebundenen Handy wird zunächst einmal der Fahrer erkannt – und sein Fahrtenbuch geladen. An welchem Tag er zu welcher Zeit welche Ziele ansteuert, ob andere Leute im Auto mitfahren oder Kindersitze installiert waren – all das zeichnet die Elektronik auf.

Bewegungsprofil nach Art eines Profi-Kriminalisten
Über mehrere Wochen entsteht so aus Dutzenden Fahrten ein Bewegungsprofil, aus dem der Computer mit steigender Wahrscheinlichkeit auf das Ziel der nächsten Fahrt schließen kann. Wer montags und dienstags morgens um sieben ins Büro fährt, wird das vermutlich auch am Mittwoch tun. Und die sonntägliche Tour zur Schwiegermutter ist für den Rechner ebenfalls Routine.

Entwickler Winckler setzt darauf, dass auch Autofahrer Gewohnheitsmenschen sind. „Aus Studien wissen wir, dass 80 Prozent aller Fahrten zu nur fünf unterschiedlichen Zielen führen“, sagt der Navigations-Experte. Für Vielfahrer und Handlungsreisende gilt das zwar nicht, aber auch da könne Ilena weiterhelfen. Winckler: „Bei denen liest das System den Terminkalender auf dem iPhone oder dem Blackberry aus.“

Nicht nur den Fahrer kennt die Navigationssoftware irgendwann, sondern auch dessen Umgebung. Wo die Datenbanken der Kartenhersteller noch Lücken haben oder veraltet sind, speichert die Elektronik eigenes Wissen und zeichnet zum Beispiel Streckenprofile mit Höhenangaben und Kurvenradien nach. Außerdem werden die mit einer Kamera erfassten Tempolimits gespeichert.

„Aus all diesen Informationen generiert die Navigation einen elektronischen Horizont, der uns besonders beim Energiemanagement nutzt“, erläutert Winckler. So könne zum Beispiel die Rückgewinnung der Bremsenergie, die Schalpunkte des Getriebes oder die Kühlleistung für den Motor an Steigungs- oder Gefällstrecken angepasst werden.

Vor allem Hybridfahrzeuge profitieren
Bei Hybridfahrzeugen würde dies sicherstellen, dass man zum Beispiel die Batterie nicht ausgerechnet vor einer Tempo-30-Zone leer gefahren hat, oder aber mit vollen Akkus eine Passstraße hinunter rollen muss. „

Bis es Ilena vom Forschungs- zum Entwicklungsprojekt bringt, wird es noch dauern. Die Trefferquote des Algorithmus ist bereits ganz ordentlich, aber es hapert noch an der Hardware. „Schon an der Kapazität von Speichern und Prozessoren im Bordnetz würde es bei der aktuellen Fahrzeuggeneration noch hapern“, räumt der Entwickler ein.

„Und auch die Anbindung an Motorelektronik und andere Steuereinheiten ist noch nicht so weit.“ Erst wenn diese Probleme gelöst sind, wechselt das Projekt von der Forschung in die Serienentwicklung – und dann vergehen meist weitere zwei bis drei Jahre, ehe die Neuheit auf den Markt kommt. Fürs erste sollten BMW-Fahrer also noch selbst wissen, wo es lang gehen soll.«

URL: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,608617,00.html